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Nazis raus aus dem Internet

 

10.11.03

Tradition des uniformierten Antisemitismus

Zum Hohmann/Günzel-Skandal Landessprecher Ulrich Sander

Von Ulrich Sander (Junge Welt vom 6.11.03)

Nun nach dem Hohmann/Günzel-Skandal wird wieder nach einer Untersuchung in der Bundeswehr gerufen. Es sei daran erinnert, wie die letzte Untersuchung dieser Art ausging: Kurt Rossmanith, Obmann für Sicherheits- und Verteidigungspolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und vehementer Verteidiger der Benennung von Kasernen nach Leuten wie Eduard Dietl, Hitlers Lieblingsgeneral, legte den Untersuchungsbericht vor und befand: Alles in Ordnung. Das war am Ende des 13. Bundestages im Sommer 1998, als der Untersuchungsausschuß zu den "rechtsextremen Vorfällen" in der Bundeswehr seinen Bericht erörterte. Im Plenum lehnte die Unions-FDP-Koalition Anträge der Grünen und der SPD ab. Diese Anträge haben sie später, als sie an der Regierung waren, nie wieder gestellt - und sich auch nicht danach gerichtet. Weder wurde das Verhältnis Bundeswehr/Wehrmacht zweifelsfrei geklärt, noch wurde den alten Traditionsverbänden der Stuhl vors Kasernentor gestellt. "Die Tendenz, die Umsetzung des Leitbildes vom ,Staatsbürger in Uniform' zugunsten einer Ausbildung von entschlossenen universellen Kämpfern zu opfern," wurde auch von Blutrot/Olivgrün beibehalten. Jetzt setzen sie die Kämpfer universell ein.

Bis auf eine Umbenennung blieb es auch unter Scharping/Struck/Beer/Nachtwei bei den alten Namen der Kasernen, blieb es bei den antisemitischen und faschistischen Vorbildern wie Fritsch und Mackensen. Am Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion waren folgende Kasernen-Patrons der Bundeswehr beteiligt, deren Namen noch heute die Kasernentore zieren: Hüttner (Hof), Lilienthal (Delmenhorst), Konrad (Bad Reichenhall), Röttiger (Hamburg), Fahnert (Karlsruhe), Schultz (Munster), von Seidel (Trier), Mölders (Visselhövede und Braunschweig), Schreiber (Immendingen), Medem (Holzminden) und Heusinger (Hammelburg).

Struck sagte, es handelt sich bei Reinhard Günzel um einen einzelnen "verwirrten General, der einem noch verwirrterem CDU-Abgeordneten aufgesessen ist". Da soll wohl von den verwirrten SPD-Ministern und Verteidigungsausschussmitgliedern abgelenkt werden, die einem solchen General freie Hand ließen. Niemand weiß, was er mit seiner KSK in den "Kampfeinsätzen" trieb. Die Abgeordneten verzichteten gar auf Nachprüfungen. Die Fallschirmjäger, die Truppe des antisemitischen deutschen Generals, sie drucken in Werbebroschüren das alte Nazi-Liedgut wie "Rot scheint die Sonne", das Göring so gern hörte, sie feiern die Siege von Monte Cassino und Kreta. Schon lange vor der KSK-Gründung übten sie den "Einsatz hinter feindlichen Linien". Nun musste der General aus der vorderen Linie abgezogen werden. Es hätte viele Gründe gegeben, ihn dort nie zu platzieren.