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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

Landesvereinigung NRW

 

07.05.2016

Was Cornelia Kerth sagte: Ausführungen bei „Aufstehen gegen Rassismus – NoAfD“

Zur Berichterstattung über die Frankfurter Konferenz vom 23. April „Aufstehen gegen Rassismus – No AfD“ und zu der Zitierung von Cornelia Kerth (Bundesvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten) stellte uns diese ihre Ausführungen zu Verfügung, siehe https://www.youtube.com/watch?v=wm5xrJJlGbE. Sie entsprechen jenem Text, den sie danach an die Anti-AfD-Kundgebung in Stuttgart sandte.

Sie schrieb:

Ich schicke einen kämpferischen Gruß an alle, die heute den Programm-Parteitag der AfD mit vielfältigen Protesten begleiten.

Es ist angesichts dessen, was auf dort diskutiert und vermutlich beschlossen wird, dringend notwendig deutlich zu machen, wie gefährlich für unsere Gesellschaft wäre, wenn der AfD jemals die Gelegenheit geboten würde, ein solches Programm politisch umzusetzen.

Rassismus ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Strukturell, institutionell und alltäglich, viel zu oft gewalttätig. Die Qualität der AfD geht jedoch weit darüber hinaus. Sie ist die Partei der rassistischen Massenmobilisierungen. Alles, was PEGIDA auf die Straße trägt, findet sich in dem veröffentlichten Programmentwurf.

Alle Facetten extrem rechter Ideologie bilden darin die Grundlage für eine andere Republik, die die AfD offensichtlich anstrebt.

Das hier formulierte Programm offenbart ein autoritäres Staatsverständnis auf völkisch-nationalistischer und rassistischer Grundlage: die Regierung soll kaum noch parlamentarisch kontrolliert, aber stets begleitet von „Volkes Wille“ in Form von Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild, zuständig sein für  - wie es heißt – innere und äußere Sicherheit, Justiz, Finanzen und Außenpolitik.

Deutschland wird als bedrohtes Land dargestellt, das ständig um seine „Souveränität“ kämpfen muss, dass innen und außen von gewalttätigen Muslimen in seiner Existenz bedroht wird: durch Geburtenrate, Moscheen, „Ausländerkriminalität“ und Terroristen. Ein „sicherheitspolitischer Befreiungsschlag“ sei notwendig, um Recht und Gesetz wieder herzustellen.

Die Staatsbürgerschaft soll wieder an die angeblich „blutsmäßige“ Abstammung gebunden werden, deutsche Frauen sollen viele Kinder gebären, damit ein „ethnisch-kultureller Wandel“ verhindert wird und der Bundeswehr, für die die Wiedereinführung der Wehrpflicht gefordert wird, die Soldaten schenken, die – so das Programm – einsatz- und kriegsorientiert ausgebildet werden müssten um den „Herausforderungen künftiger Kriege“ gewachsen zu sein.

Die sozialen Sicherungssysteme sollen offensichtlich auf ein Mindestmaß reduziert, die Daseinsvorsorge weitgehend in die Familien verlagert werden. Das extrem reaktionäre Frauen-, Menschen- und Gesellschaftsbild, das in diesem Programm deutlich wird, ist vermutlich der Grund dafür, dass der Kampf gegen das verhasste Gender-Mainstreaming  fast genauso wichtig erscheint wie der Kampf gegen den Islam und die Muslime.

Während arbeitende und arbeitslose Menschen von der AfD schlicht nichts zu erwarten haben, können sich Konzerne und die Reichen und Superreichen freuen: Gewerbe-, Vermögens- und Erbschaftssteuer sollen ganz abgeschafft und Obergrenzen Steuern und Abgaben genau wie die „Schuldenbremse“ in der Verfassung festgeschrieben werden.

Die AfD ist rassistisch, asozial und frauenfeindlich. Ihr Programm verheißt autoritäre Herrschaft im Inneren und Kriegsdrohung nach außen. Das alles ist anschlussfähig an offen faschistische Konzepte, was angesichts bekannter Verbindungen – insbesondere zur sog. Neuen Rechten nicht wirklich verwundert.

Gut dass so viele dagegen aufstehen. Wir müssen noch mehr werden, damit diese Partei keine Chance bekommt, die Republik nach ihrem Bilde umzugestalten. In einer Woche erinnern wir an die Befreiung Europas vom deutschen Faschismus. Sorgen wir dafür, dass nie wieder geschehen kann, was einst geschah.

Hier Links unter anderem zu Reden von der Frankfurter Konferenz (auch C. Kerths Rede)

https://www.youtube.com/watch?v=wm5xrJJlGbE Cornelia Kerth (VVN-BdA)

https://www.youtube.com/watch?v=KXDtxgjfGgY Samee Ullah (My Right Is Your Right)

https://www.youtube.com/watch?v=m3PrihzZU6U Andreas Kemper

https://www.youtube.com/watch?v=EqgK2GJuoj8 Said Barkan (Zentralrat der Muslime Hessen)

https://www.youtube.com/watch?v=4LXrPzUnQe8 Grußwort Bündnis gegen AfD Parteitag Stuttgart

Siehe auch:

Ein sehr, sehr breites Bündnis
Das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ will die AfD bekämpfen und klammert Krieg und soziale Frage aus
http://www.unsere-zeit.de/de/4817/innenpolitik/2437/Ein-sehr-sehr-breites-B%C3%BCndnis.htm

Wie die AfD bekämpfen?
Gegen die Rechtspopulisten muss vorgegangen werden - über das Wie herrscht noch keine Einigkeit
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1009684.wie-die-afd-bekaempfen.html

Rechten Parolen Paroli bieten
Gemeinsam gegen Rassismus: Das Aktionsbündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ will „Stammtischkämpfer“ mit Argumenten ausstatten.
http://www.fr-online.de/frankfurt/rassismus-rechten-parolen-paroli-bieten,1472798,34145102.html